Reisebericht - Albanien

Albanien Studienreise

„Was willst Du denn dort?" „Wo liegt denn das?" „Da ist es schmutzig". Das sind die Reaktionen darauf, wenn wir erzählen, dass wir nach Albanien reisen. Dabei bietet Albanien so viel: unberührte Natur, Berge und Meer und wirklich gastfreundliche Menschen … Eine Studienreise mit dem Akademischen Reisedienst an der ich glücklicherweise teilnehmen durfte.

Mit Direktflug ab Wien nahm meine Reise nach Albanien ihren Anfang in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro. Podgorica war im Laufe der Zeit in der Hand der Osmanen, der Österreicher (1. Weltkrieg) und der Italiener und Deutschen (2. Weltkrieg). Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg fast gänzlich zerstört, danach als Titograd zu Ehren Titos zur Hauptstadt der Teilrepublik in Jugoslawien erklärt. Unter Tito entstanden viele Industriebetriebe und ein zweckmäßiger, sozialistischer Baustil prägte das Stadtbild.

Die hier zusammen fließenden Flüsse Ribnica und Moraca sorgen für eine Trennung der Hauptstadt in drei Viertel. Die Flüsse mit den zahlreiche Brücken verschiedener Größe, geben der Stadt einen ganz besonderen Flair.

Stari Varos

Stari Varos - Die Altstadt - ist der älteste und auch schönste Stadtteil Podgoricas. Seine Wurzeln reichen bis zum 15. Jahrhundert zurück, die Osmanen waren die ersten Baumeister. Nach dem Abendessen spazieren wir durch das islamische Zentrum der Altstadt. Der Muezzin ruft zum Gebet … (ein bissl unheimlich so im Dunkeln …).

Sahat Kula, der Wachturm der Türken, ist von den alten Bauwerken am besten erhalten und einen Besuch wert. Zwei Moscheen befinden sich in diesem Stadtteil, die Mechihat Han aus dem 16. Jahrhundert und die kleinere Melihce Moschee.

Nova Varos - Die Neustadt

Plattenbauten wohin man schaut - der Ausblick vom Hotelbalkon … Fazit: Stari Varos ist schöner!

Novi Grad - das neue Regierungsviertel - haben wir nicht besichtigt.

Nach dem Frühstück fahren wir los, an der Küste entlang Richtung albanischer Grenze.

Wir sind da, die Pässe werden kontrolliert, Geld wechselt den Besitzer … fotografieren verboten; ein kleiner, heimlicher Schnappschuss musste jedoch sein:

Der erste Stop in Albanien ist Kruja, die alte Hauptstadt und Heimatstadt Skanderbergs. Gleich nach der Ankunft spazieren wir durch den alten Basar und die „malerischen“ Gassen der Kleinstadt. Gekauft hab ich nix ;-)

Wirklich beeindruckend ist aber die Festung, die hoch oben auf dem Felsen thront. Im Inneren befindet sich das Skanderbeg Museum, in den einzelnen Räumen wird der heldenhafte Kampf vom Nationalheld Skanderbeg gegen die Türken in verschiedenen Gemälden und Wandmalereien dargestellt. Sein Schwert und sein Helm sind Nachbildungen, die Originale befinden sich nämlich im Kunsthistorischen Museum in Wien …

Spannend ist die Legende, warum ein Ziegenkopf den Helm Skanderbegs ziert … Er hat einer Herde Ziegen brennende Kerzen aufgebunden, und sie nachts in ein tiefes Tal treiben lassen. Die Türken glaubten, das seien die Krieger Skanderbegs und folgten ihnen. So wurden die Türken in die Falle gelockt, Skanderbeg konnte sie ohne Probleme von oben angreifen und schließlich vernichten, obwohl die Türken in der Überzahl waren.

Anschließend geht’s bergab zum Ethnografischen Museum. Es befindet sich in einem typisch albanischen Wohnhaus, das 1764 erbaut wurde. Im Erdgeschoss sind Räume zu besichtigen, in denen Haustiere, Zisternen, Vorräte und Gerätschaften untergebracht waren. In den oberen Stockwerken sehen wir die Wohnräume der Familie und viele Gegenstände aus dem Alltagsleben – Küchengeräte, Musikinstrumente und Waffen.

Wir sind in BERAT, die Stadt der tausend Fenster.

Die Stadt ist der Stolz der albanischen Geschichte und Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Zweitausendvierhundert Jahre haben östliche und westliche Kulturen in der Festung ihre Spuren hinterlassen. Innerhalb der Anlage gibt es Kirchen mit Fresken und eine Schule für Ikonenmalerei.

Besonders interessant macht die Festung, dass sie heute noch bewohnt ist. Freundlich werden wir in das eine oder andere Haus eingeladen …

… unter anderem werden wir in einen Hof gebeten um selbstgebrannten albanischen Schnaps zu verkosten ... den „Skanderbeg" ein albanischer Weinbrand der als Nationalgetränk der Albaner gilt … (2 Liter Pet-Flasche ca. 2 €…natürlich hab ich eine mitgenommen).

Zu den Fresken: Onufri gilt als bedeutendster Vertreter der byzantinischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Bekannt ist die vom ihm verwendete rote Farbe, die auch als „Onufri-Rot" bezeichnet wird. In unserem Programm ist keine Museumsführung vorgesehen, aber das Museum wird von einem enthusiastischen Guide betreut, der es sich nicht nehmen lässt, uns den Maler und seine Werke näher zu bringen.

Es geht Richtung Norden nach Durres, eine der größten Städte Albaniens mit dem größten Seehafen des Landes. Wir besichtigen das riesige Amphitheater mitten in der Stadt von Wohnhäusern umgeben. Bis zu 20 000 Sitzplätze gab es da. Entdeckt wurde es 1966 zufällig, als ein Bauer seinen Garten umgegraben hat. Es ist ziemlich verfallen, trotzdem kann man die Sitzreihen erkennen und auch die Eingänge zu den Tunneln, durch die entweder wilde Tiere oder Gladiatoren die Arena betraten. In unmittelbarer Nähe befindet sich die alte Stadtmauer mit einem gut erhaltenen Befestigungsturm.

Durres liegt nur 40km von Tirana entfernt direkt am Meer und hat einen langen Sandstrand mit inzwischen etlichen Hotels, ähnlich wie in Jesolo.

Die Stahlbeton-Bunker (Bunkeri) aus der Zeit der Diktatur wurden für die Ewigkeit gebaut und können weder zerstört noch entfernt werden (ähnlich wie die Flacktürme in Wien).

Und so benützen findige Unternehmer die Kuppeln als Bar, Cafe, Werkstatt oder Greisslerei.

Letzte Station ist an diesem Tag ist TIRANA, die Hauptstadt Albaniens, wo wir noch einmal übernachten. Schmucklose Gebäude und viele Plattenbauten. Im Kommunismus wurden viele Prachtbauten zerstört und Neubauten wurden sehr schlicht und schmucklos gehalten.

SCHRÄG! Mitten am Skanderbeg-Platz kommen uns diese typisch albanischen öffentlichen Busse entgegen …

Nach einem kurzen, geführten Stadtrundgang mit Besichtigung der Et'hem-Bey-Moschee werden wir entlassen um auf eigene Faust durch Tirana zu spazieren.

Was mich wie immer anzieht ist der Markt, wo es turbulent und authentisch zugeht. Aus den albanischen Oliven wird spitzen Olivenöl gepresst. Natürlich hab ich auch eine 1,5 Liter Pet-Flasche um fast nix gekauft!

Neben Obst und Gemüse wird auch noch Fisch angeboten. Am Rande des Marktes werden Kukuruz gebraten und vom Fahrrad aus verkauft.

Ein krasser Gegensatz ist unser Hotel Rogner **** am Bulevardi Dëshmorët e Kombit, dem Prachtboulevard der Stadt. Das Hotel ist von einer hohen Mauer umgeben und eine Oase der Ruhe. Hier wohnen die europäischen Gäste und während der Unruhen fanden Touristen, Journalisten und Botschaftsangehörige Zuflucht.

Mein Fazit: Albanien ist auf jeden Fall eine Reise wert, hat viele Kulturschätze und ist vom Massentourismus noch weitgehend verschont geblieben!